Therapie-Grundlagen

Gliederung

> Wer bin ich?
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Wie fühlt es sich an, ein polares Wesen zu sein?
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Jeder trägt sein Päckchen
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Wo kommen die Päckchen her?
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Kräftemessen mit meinen Päckchen
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Freud entdeckt das Unbewusste
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Das ungleiche Zwillingspaar
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Das Unbewusste – ein globales Verbindungs-Medium
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Das Unbewusste und das Päckchen
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Wie die Päckchen unser Schicksal gestalten
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Die nonverbale telepathische Konfliktlösung
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Die antiken Griechen und ihre Einstellung zum persönlichen Päckchen
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Vom Sinn des Lebens


Wer bin ich?

Mein Wesen wird mitbestimmt vom Ort meines Daseins:
von der Erde,
von dem "Irdischen".

Hier ist Licht und Schatten,
Angenehmes und Unangenehmes,
im Wechsel der Zeit,
wie Tag und Nacht.
Beides gehört gleichberechtigt dazu.

Man nennt dies Polarität.
Alles hat zwei Seiten:
einen "positiven" und einen "negativen" Pol.
Und das Dasein hier ist ähnlich der Dynamik eines Pendels:
es schwingt hin und her.
Tag und Nacht,
Freude und Schmerz,
unaufhörlich.


Wie fühlt es sich an, ein polares Wesen zu sein?

Als ein Erden-Wesen
erlebe ich die irdische Polarität nicht nur um mich herum,
sondern auch in meinem Inneren,
in mir selbst.

Alles an und in mir ist polar:
meine Empfindungen,
mit Lachen und Weinen, mit Glück und Unglück,
mein Bewusstsein mit positiven und negativen Gedanken,
mein entsprechendes Handeln.

Auch mein persönliches Schicksal ist polar:
mit angenehmen und unangenehmen Phasen,
eingebettet in die übergreifende Polarität
sowohl meiner Familie,
als auch der Gesellschaft und der Kultur,
in der ich lebe.

Solange ich mich im angenehmen Pol befinde,
habe ich wenig auszusetzen am Erdendasein.
Die äußere Sonne scheint, und meine innere Sonne scheint ebenso;
Ich fühle mich wohl.

Wenn ich aber vom unangenehmen Pol des irdischen Daseins erfasst werde,
wendet sich das Blatt;
und es regen sich zunächst einmal meine Abwehrkräfte:
die Abwehr von allem Unangenehmen,
von allem Schmerzhaften.

Und doch gibt es einen, der mit dem Leid offensichtlich seinen Frieden hat:
der Volksmund …


Jeder trägt sein Päckchen

sagt der Volksmund in einer Spruchweisheit.
Ein antiquierter Spruch?
Und doch spürt jeder, dass da in der Tiefe etwas angesprochen ist,
das mehr Resonanz entwickelt, als einem lieb und recht sein kann.
Beschreibt der Volksmund doch die Wirklichkeit des Lebens,
die Freude und Leid in gleicher Weise beinhaltet.

Das Päckchen ist nicht nur eine unangenehme Last,
nicht nur ein Leid, das von außen auf uns zukommt
und unser Schicksal negativ tönt.
Auch in mir selbst schlummern Päckchen:
in ungünstigen Mustern und Verhaltensweisen,
mit denen ich mir selbst im Weg stehe.

Auch jede Familie hat ihre Päckchen,
an denen die einzelnen Angehörigen mehr oder weniger mittragen.
Mitunter gibt es einen roten Faden,
wie sich ähnliche Päckchen durch die Generationen ziehen.

Das Päckchen ist eine mächtige Kraft,
die unser Schicksal mitgestaltet,
die unseren Lebensweg immer wieder mit leidvollen Wegstrecken anreichert;
selbst dann, wenn wir alles nur Erdenkliche unternehmen, um genau dies zu vermeiden.

Aber letztlich geht es im Leben und so auch in der Therapie darum,
sich die Potentiale zu erschließen,
die hinter der unangenehmen Seite der Päckchen schlummern;
und die Päckchen zu transformieren, über sie hinaus zu wachsen.
Dann kann Polarität fruchtbar werden.

Um diesen Weg zu beschreiten,
ist zunächst der Ausgangspunkt genauer in den Blick zu nehmen:
Wo kommen unsere Päckchen her?
Wo kommen wir selbst her?


Wo kommen unsere Päckchen her?

Naturwissenschaftlich lässt sich diese Frage nicht klären. Auch darüber hinaus weiß wohl kein Mensch, wie die Zusammenhänge des Großen Schicksals wirklich sind. Aber die Menschen machten sich schon immer Bilder von der Wirklichkeit, um besser mit ihr umgehen zu können.

Der Volksmund greift mit seinem Spruch vom persönlichen Päckchen auf die alten Mythen der antiken Griechen zurück. Dort wurde die erste Frau, Pandora mit Namen, von den Gottheiten des Olymps erschaffen und mit vielen positiven Eigenschaften ausgestattet. Im Gegenpol hierzu hielt sie in ihren Händen auch schon die "Büchse der Pandora", in der das Leid ihres künftigen Schicksals enthalten war. Pandora war also schon in der transzendenten jenseitigen Welt der olympischen Götter mit "Licht und Schatten" angelegt und damit auf die irdische Polarität ausgerichtet. Und die Begriffe "Büchse der Pandora" und "Päckchen" bezeichnen in gleicher Weise den sogenannten Negativpol der Polarität.

Der griechische Mythos bringt also das irdische Leid in unserem Schicksal mit unserer Herkunft aus der transzendenten spirituellen Welt in Verbindung.

Genauso sieht es der biblische Mythos von Adam und Eva: Die Seele des Menschen kommt aus dem transzendenten Daseins-Raum, der als Paradies bei Gott beschrieben wird. Und auch Eva hat, ähnlich wie Pandora, ein Mitbringsel: die Schlange. Und ähnlich wie die "Büchse" ist auch die Schlange unter anderem ein Symbol des Unheilvollen, des Unerlösten und Leidvollen.

Soviel vorerst zu diesen beiden Mythen, die nun schon circa 2 ½ Tausend Jahre alt sind und den Beginn der Individualisierung der Menschen markieren.
Sind sie antiquiert?

Vor rund 300 Jahren hatten wir hier in Mitteleuropa die Epoche der Aufklärung,
Sie hat uns – aufbauend auf einer materialistischen Weltbetrachtung und dem Siegeszug der Technik – einen weitreichenden Machbarkeitsglauben vermittelt. Nach diesem materialistischen Weltbild ergibt sich unsere Herkunft aus der Verschmelzung einer Eizelle und einer Samenzelle der Eltern; und das persönliche Leid lässt sich umso besser aus dem persönlichen Schicksal eliminieren, je genauer man dessen naturwissenschaftliche Ursachen und Entstehungsmechanismen erforscht hat. Die Lösungen bestehen daher letztlich in einem technischen Kampf gegen den unangenehmen Pol der irdischen Polarität. Dieser technische Weg hat sehr viel erreicht, doch eines bleibt ihm versagt: Die unangenehme Seite der irdischen Polarität und damit die eine Hälfte der Erde hier einfach nur eliminieren zu wollen, gelingt letztlich nicht.

Es bleibt heute jedem Einzelnen überlassen, welches der angebotenen Weltbilder er zur Grundlage seiner Lebens- und Seins-Vorstellungen macht. Doch für psychische Veränderungsprozesse ist als Grundlage auch ein transzendentes, ein spirituelles Weltbild notwendig, das sowohl der seelischen Ebene des Menschen als auch der unangenehmen Seite des Daseins hier auf der Erde einen existentiell-berechtigten Platz zugesteht. Nur so werden wir der materiellen und seelischen Doppelnatur des Menschen sowie der irdischen Polarität mit Licht und Schatten gerecht.

Deshalb greifen wir hier für die Lösungen im psychischen Bereich auch auf die beiden oben genannten Mythen zurück. Sie eröffnen sowohl einen Zugang zu unserer seelischen Ebene als auch zur irdischen Polarität. Und vor allem beleuchtet dies spirituelle Weltbild den tieferen Sinn, den die Seele eines Menschen mit der irdischen Polarität seines Schicksals verbindet. Damit die von mir angebotenen Lösungen psychischer Probleme nachhaltig wirksam sind, ist dieser tiefere Sinn der Polarität zu berücksichtigen.


Kräftemessen mit meinem Päckchen

Wie ist es möglich, dass einiges in meinem Schicksal ganz anders verläuft, als ich es mir vorgestellt, geplant und gewollt habe? Zum Beispiel, dass der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, in einem inneren Kampf zwischen Wollen und Nicht-Können ergebnislos bleibt; oder dass eine Beziehung, die mit inniger Verliebtheit begonnen hat, später im Rosenkrieg endet. Manchmal erreiche ich mit meinem gezielten Handeln genau das Gegenteil von dem, was ich angestrebt habe. Der Schicksals-Fachmann spricht dann vom Gesetz der das Gegenteil bewirkenden Anstrengung.

Besonders dann, wenn keine anderen "bösen" Menschen mit im Spiel sind, werden solche Situationen subjektiv oft so erlebt, als ob das Schicksal gegen mich ist; als ob ungute Mächte außerhalb von mir gegen mich arbeiten. Der Volksmund kennt den Pechvogel, dem nichts zu gelingen scheint. In früheren Zeiten wurden dann böse Geister ausgetrieben.

In solchen Situationen erlebt man die Macht seines schicksalhaften Päckchens mit aller Wucht und es scheint kein Entrinnen zu geben. So entstehen die chronischen Probleme und Konflikte, die sich oft über Jahre hinziehen und schließlich unlösbar erscheinen.

Und dann, vor rund 100 Jahren tauchte Freud auf:


Freud entdeckt das Unbewusste:
Ich bin nicht Herr im eigenen Haus


Anfang des vorigen Jahrhunderts entdeckte Freud, dass es unterhalb der bewussten Etage im Menschen noch mehr gibt, als bislang bekannt war. So ist das Bewusstsein nicht der einzige "Bewohner" im Menschen, sondern im "Untergeschoß" entdeckte Freud das Unbewusste: die machtvollen unbewussten Kräfte, die im Wettstreit mit den Kräften unseres Bewusstseins letztlich die Oberhand behalten.

Ich bin nicht Herr im eigenen Haus, stellte Freud fest.
Beide Bewusstseins-Etagen sind aktiv beteiligt an der Gestaltung des persönlichen Schicksals.
So wie ich auf der bewussten Ebene mein Schicksal plane, genau so sind im Untergeschoß auch meine unbewussten Kräfte ständig dabei, Einfluss auf die Gestaltung meines Schicksals zu nehmen. Dabei setzt das Unbewusste langfristig seine Vorstellungen durch; es ist die beherrschende Steuerungsinstanz in mir.

Sollten Bewusstsein und Unbewusstes "unterschiedlicher Meinung" sein, und das Unbewusste den von mir geplanten Weg des Glücks durchkreuzen, dann erlebe ich diese unbewussten Schicksalskräfte als Leid-verursachende Widerstände. Der Volksmund beschreibt diese Situationen unter anderem als ein Leben mit angezogener Handbremse.

Die Päckchen haben demnach ihr Zuhause im unbewussten Anteil meiner Persönlichkeit, bzw sie wirken durch diesen Anteil auf mein persönliches Schicksal ein.


Das ungleiche Zwillingspaar

von unserem Bewusstsein her sind wir also ein zweigeteiltes Wesen. Unser Bewusstsein kennen wir. Und wenn wir "Ich" sagen, meinen wir zunächst einmal den bewussten Anteil unserer Persönlichkeit. Und zunächst einmal neigen wir zu der Annahme, dass dieser bewusste Teil unserer Person, abgesehen von der Seele, auch alles ist, was uns ausmacht.

Doch nach und nach müssen wir dann auch unser Unbewusstes zur Kenntnis nehmen, den mächtigen Zwillingsbruder bzw die mächtige Zwillingsschwester unseres Bewusstseins. Obwohl das Unbewusste, zumindest zunächst, den überwiegenden Anteil unserer Persönlichkeit ausmacht, haben wir ihm vielleicht keine wirkliche Existenz zugesprochen – verständlicherweise, denn aufgrund seines unbewussten Charakters bekommen wir diesen Anteil auch kaum zu fassen; allenfalls bei einem Freudschen Versprecher oder in unseren Träumen.

Nach Freud soll das nicht so bleiben. Er rät uns: Wo "Es" ist, soll "Ich" werden; und er meint damit, dass wir das "Es", die unbewussten Kräfte, ins "Ich" bringen, d.h. in unser Bewusstsein heben. Dies geschieht durch Familienaufstellungen sowie durch Schicksals-Analyse.

Wenn zum Beispiel im Zusammen-"Spiel" mit wechselnden Mitmenschen wiederholt ähnlich gelagerte Konflikte auftreten, kann man davon ausgehen, dass dies nicht der Zufall, sondern das eigene Unbewusste ist, das mein Schicksal immer wieder "in die gleiche Rille" lenkt; mich immer wieder mit solchen Mitmenschen zusammenbringt, mit denen sich diese speziellen Konflikte entzünden können. Und wenn mein Unbewusstes der Verursacher ist, kann ich mir den Kampf gegen "den Anderen" ersparen, und mich primär erst einmal auf die heilsame Veränderung meines Unbewussten und der von ihm verfolgten Ziele konzentrieren.


Das Unbewusste – ein globales Verbindungs-Medium

Freud entdeckte und untersuchte vor allem das persönliche Unbewusste.
In ihm sind Unmengen von Informationen gespeichert, die mit unserem zurückliegenden Leben zu tun haben, Erfahrungen, Zusammenhänge, unbewusste Wünsche, …  auch verdrängte Inhalte, die wieder in das Bewusstsein hochgeholt werden können, wie es das Ziel vieler therapeutischer Methoden ist.

Neben der Speicherung von Daten verarbeitet unser Unbewusstes unablässig diese Daten; verknüpft sie zu unbewussten Erfahrungswerten; vergisst auch Schreckliches nicht, das dann zu gegebener Zeit in Form von Alpträumen hochkommen kann. Unser Unbewusstes schläft also nicht, sondern arbeitet ununterbrochen weiter. Und es mischt sich ständig in unseren Tagesablauf ein, indem es unter anderem unsere aktuellen Erlebnisse mit früheren Erfahrungen vergleicht und entsprechend gefühlsmäßig tönt. So können unterschwellige bis diffuse Ängste, Sympathien oder Antipathien entstehen. Manchmal bricht es auch mit aller Wucht in unser bewusstes Alltagserleben ein.

"Mein" Unbewusstes ist aber nicht nur auf meine Person beschränkt, sondern es geht nahtlos über in das Unbewusste meines Familiensystems. Man kann sich dies so vorstellen, dass das Unbewusste von jedem einzelnen mit dem Unbewussten aller anderen Familienmitglieder auf einer höheren überindividuellen Ebene verschmolzen ist. Dieses übergeordnete Familien-Unbewusste hüllt wie eine Wolke alle Familienmitglieder ein und verbindet sie alle miteinander, auch die schon Verstorbenen mit den Lebenden. Auf der unbewussten Ebene weiß daher jeder einzelne alles von allen anderen.

Wir werden daher auf unbewusste Weise nicht nur aus den Tiefen der eigenen Persönlichkeit gesteuert, sondern auch aus den Tiefen unserer Herkunftsfamilie. Wir fühlen uns zwar als Individuen, sind aber doch massiv kollektiv verschmolzen und den Steuerungen des Familien-Unbewussten unentrinnbar ausgesetzt. Ein Entrinnen ist nur möglich, wenn wir die Steuerungen des Familien-Unbewussten ins Bewusstsein hochheben und im Einklang mit ihm alternative Wege beschreiten.

Die hierarchische Struktur des Unbewussten geht noch weiter, da wir auch Mitglied eines Volks, einer Gesellschaft, einer Kulturgruppe, einer Religionsgemeinschaft sind. Hier sind wir und unsere Familien auf einer nächst höheren bzw tieferen Ebene zusammengeschlossen zu all den Gruppen-Unbewussten, von denen wir Teil sind.
Auf noch tieferer Ebene sind wir in das archaische Unbewusste der gesamten Menschheit eingebunden. Hier sind die archaischen Typologien, Verhaltensmuster und Gefühlskategorien angesiedelt: die Archetypen, die das Grundfundament der menschlichen Psyche bilden. Und schließlich steht unser mehrschichtig verschmolzenes und verbundenes Unbewusstes auch mit unserer gesamten Umwelt in Verbindung.

Diese geschilderten Zusammenhänge sind allerdings vom jeweiligen Weltbild abhängig, mit dem man die Wirklichkeit betrachtet. Je materialistischer der Blickwinkel ausgeformt ist, um so mehr wird man nur die materialistisch-fassbaren Ursachen gelten lassen; Je mehr man jenseits der materiellen Raum-Zeit-Kategorie offen ist für eine darüber hinausgehende geistige Dimension, um so mehr wird man den Kräften des Bewusstseins und des Unbewussten eine eigenständige und nicht materielle Dimension zuerkennen, wie es z.B. die zeitgenössische Quantenphysik in Betracht zieht.

Im Verlauf der Evolution hat sich der Mensch aus dem Unbewussten auf die neu entstandene Ebene des Bewusstseins begeben. Und dabei ist der Kontakt zum Unbewussten in den Hintergrund geraten. Doch Freuds Aufruf "Wo Es ist, soll Ich werden" verwirklicht sich zur Zeit in der bewussten Wahrnehmung des Familien-Unbewussten, wie es im Familienstellen möglich ist. Die mystischen Traditionen in Ost und West kennen den Weg zu dem einen allumfassenden Bewusstsein allerdings schon lange.


Das Unbewusste und das Päckchen

Unser Päckchen, d.h. unsere dem Leid verpflichteten Schicksals-Anteile, arbeiten, wie schon gesagt, nicht mit unserem Bewusstsein zusammen. Ganz im Gegenteil, bewusst wollen wir unsere Päckchen-Kräfte ja daran hindern, dass sie für uns auf leidvolle Weise zum Zuge kommen.

Daher gestaltet das Päckchen unseren Schicksalsweg auf subtile und unangreifbare Weise, indem es mit unserem Unbewussten und dessen Kräften zusammenarbeitet. Vielleicht ist es auch Teil unseres Unbewussten. Auf jeden Fall entzieht sich seine Tätigkeit zunächst einmal der Kontrolle durch unser Bewusstsein, so dass es auf unserem Schicksalsweg frei schalten und walten kann:

In die leidvollen Komponenten unserer Päckchen fließen nicht nur Elemente aus unserem ganz persönlichen Schicksal ein. Da wir ja über unser Unbewusstes mit allem verbunden sind, werden wir auch mit Päckchen-Komponenten konfrontiert, die aus unserem Familiensystem stammen, sowie aus unserer Gesellschaft, in der wir leben; und schließlich auch mit den unangenehmen und leidvollen Prozessen, die mit der Evolution der gesamten Menschheit und ihrem Bezug zur globalen Natur zusammen hängen. Wir betrachten hier aber nur die persönlichen und die familiären Päckchen.

Über die Zusammenarbeit zwischen dem Päckchen und dem Unbewussten haben die antiken Griechen Zusammenhänge entdeckt, die auch heute (wieder) aktuell sind. Sie haben ja in dem Mythos von Pandora die Herkunft unserer Päckchen im transzendenten Bereich angesiedelt und auf dieser Basis die polare Grundordnung in unserem irdischen Schicksal beschrieben. Für sie war dieser Mythos Lebensschule und zeitgemäße Psychotherapie.


Wie die Päckchen unser Schicksal gestalten.

Wie die schicksalhafte Wirklichkeit funktioniert, weiß wohl keiner. Deshalb neigt der Mensch dazu, sich Vorstellungen und Bilder von der Wirklichkeit zu machen, um mit ihr überhaupt umgehen zu können. So können diese Weltbilder je nach ihrer Art und Weise psychische Lösungen begünstigen oder erschweren. Im Folgenden stellen wir das grundlegende Weltbild vom Unbewussten dar, auf dessen Fundament nachhaltige Lösungen gelingen.

Unsere Päckchen sind Schicksal-gestaltende Kräfte. Um ihr Programm zu verwirklichen, nutzen sie die Umstände, mit denen wir in unserem Alltag zu tun haben. Sie verbinden sich besonders gerne mit den Personen, denen wir nur schwer ausweichen können, etwa Beziehungs-Partnern oder Arbeitskollegen und Nachbarn. Es können auch unbekannte Personen sein, die plötzlich in unseren Alltag hereinbrechen. Da aber unsere Päckchen eher langfristige Begegnungs- und Einwirkungs-Zeiträume "bevorzugen", wenden sie sich vor allem an Mitmenschen, die uns dauerhaft "auf die Pelle rücken" können, ohne dass wir dies abzuwenden in der Lage sind.

Unter diesen "prinzipiell geeigneten" Mitmenschen wählen unsere Päckchen-Kräfte dann diejenigen aus, die aufgrund ihrer persönlichen Konstellation in der Lage sind, ein solches Verhalten an den Tag zu legen, wie es dem Programm unseres Päckchens entspricht. Wenn der Inhalt meines Päckchens beispielsweise darin besteht, dass ich belogen werde, so kommen für dieses Päckchen nur solche Mitmenschen in Frage, die die Bereitschaft zum Lügen haben. Meine Päckchen-Kräfte nehmen dann auf der unbewussten Ebene diese "speziell geeigneten" Mitmenschen als Verbündete in Beschlag. So können sie im ungünstigen Fall zum Beispiel sicherstellen, dass ich solch einen "geeigneten" Mitmenschen heirate.

Wenn dies auf der Ebene des Unbewussten in die Wege geleitet ist, spitzen die Päckchen-Kräfte in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten dann auf unbewusste Weise eine Situation so zu, dass in meinem Gegenüber das Verhaltensmuster des Lügens abgerufen wird und mich im Sinne meines Päckchens verletzt. Dies geschieht stets dann, wenn mein Päckchen "beschließt", sich mir zu zeigen: als Aufforderung an mich, etwas für die Lösung oder Transformation meines Päckchens zu tun.

Die unangenehmen Einwirkungsmöglichkeiten der Päckchen sind sehr vielfältig. Als verbündete Akteure greifen sie nicht nur auf unsere Mitmenschen zurück, sondern auch auf missliche Situationen oder Krankheiten, die dann in den Dienst meiner Päckchen-Kräfte geraten.

Auf diese Weise zeigen sich unsere Päckchen dann als chronische, nagende und unlösbar erscheinende Probleme, bei denen wir dann zunächst einmal "mit unserem Latein am Ende" sind.

Hier wird deutlich, auch in Übereinstimmung mit der Lebensvorstellung der antiken Griechen, dass der Ansatzpunkt einer Lösung von chronischen Problemen zwischen Erwachsenen zunächst einmal bei sich selbst zu suchen ist, und zwar im eigenen Unbewussten, das als Verursacher in Frage kommt. Wenn es dort zu einer Lösung gekommen ist, kann man schauen, was von dem aktuellen Problem noch übrig geblieben ist.


Die nonverbale telepathische Konfliktlösung

Unsere Päckchen wirken also über unsere Mitmenschen auf uns ein. Vermittelt wird dies durch das Unbewusste, das uns mit diesen Mitmenschen verbindet.

Diesen unbewussten Kommunikations- und Gestaltungs-Kanal können wir auch in der umgekehrten Richtung benutzen, um auf bewusste und gezielte Weise Botschaften zu übermitteln: speziell zu den Mitmenschen, mit denen wir konflikthaft "verknotet" sind.

Dies ist sehr hilfreich bei Konflikten, bei denen Reden nichts mehr bringt oder von vorne herein unmöglich ist. Dann kann man die Kommunikation auf die unbewusste Ebene verlagern. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die unbewusst vorangetriebenen Lösungen der guten Ordnung des Unbewussten entsprechen müssen. Sonst funktioniert dies nicht.

So sind in einem ersten Schritt alle eigenen offenen Baustellen, die in dem aktuellen Problem verborgen sind, einer Lösung zuzuführen; sowohl die persönlichen Baustellen, als auch die Familien-Päckchen, die sich in das eigene Schicksal eingeschlichen haben, und nun über den aktuellen Konflikt gesehen und gelöst werden wollen.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann die nonverbale Kommunikations-Ebene sehr wirksam sein. Insgesamt ist diese Kommunikationsform daher nur unter exakter Berücksichtigung der individuellen und äußeren Begleitumstände zu gestalten.


Die antiken Griechen und ihre Einstellung zum persönlichen Päckchen

Die Einstellung der antiken Griechen zur Polarität, d.h. zum persönlichen Glück und Leid, wird in ihrer Sprache deutlich: Für all das, was ihnen schicksalhaft widerfährt, verwenden sie das Wort pathein = mir geschieht schicksalhaft; und zwar umfasst dieses Verb sowohl die angenehmen als auch die unangenehmen Erfahrungen. Also nur ein Wort für beide Polaritäten. Dies bringt zum Ausdruck, dass bei den antiken Griechen Angenehmes und Unangenehmes die gleiche Berechtigung und den gleichen Stellenwert im persönlichen Schicksal genießen.

Von dem Verb pathein leitet sich der Begriff Patient ab, und keiner in unserer Gesellschaft käme auf die Idee, diesen Begriff nicht nur auf die Erfahrung von Krankheit, sondern gleichermaßen auch auf die Erfahrung von Glück anzuwenden. Zu sehr bestimmen Ablehnung und Eliminierungs-Anstrengung unsere Einstellung zum Leid und zu allem, was der Volksmund unter Päckchen versteht.

Die griechische Sprache verrät noch mehr über die Einstellung der antiken Griechen zu ihrem Schicksal: Sie kennen ebenso wie wir als Konjugation für die Verben Aktiv und Passiv: entweder ich handele aktiv oder ich erleide passiv als Opfer etwas; also entweder Täter oder Opfer. Die Griechen hingegen kennen zusätzlich als dritte Konjugation das Medium: es verbindet Aktiv und Passiv in einer Person. Die Medium-Konjugation verwischt also die Grenzen zwischen Täter-Sein und Opfer-Sein. Die Medium-Konjugation kann folgendermaßen übersetzt werden: Ich verursache mir …   Während ich als Opfer etwas schicksalhaft erleide, bin ich auf einer anderen Ebene gleichzeitig auch der Täter, der sich diese Opfer-Situation selbst schicksalhaft erzeugt.

Das gleiche gilt für den positiv-empfundenen Pol der irdischen Polarität: Wenn ich durch die Umstände Glück empfange, bin ich selbst der verursachende Ausgangspunkt für diese wohltuende Situation; gemäß dem griechischen Philosophen Platon, der den Ideen die primäre Existenz zuschreibt. Diese Ideen, d.h. diese Schicksalskonstellationen ruft der einzelne Mensch als irdisches und transzendentes Wesen ab und bringt sie hier auf der Erde für sich zur Manifestation.

Diese Betrachtungsweise ist allerdings nur dann möglich, wenn man nicht mehr zwischen sich und seiner Umwelt eine Trennungslinie zieht; wenn sich die Tragweite erschließt, dass über die Kräfte des Unbewussten alles mit allem verbunden ist, dann mag der Verstand einen Zugang zu der Lebens- und Daseins-Sicht der antiken Griechen finden. Doch ist dies in unserer Zeit nicht so einfach; denn das allgemeine gesellschaftliche Denken hat seit der Epoche der Aufklärung die rational-materialistische Betrachtung zur Grundlage des Weltverständnisses gemacht; eine Sichtweise, die zu den später entdeckten unbewussten Dynamiken nur schwer einen Zugang findet.


Vom Sinn des Lebens

Soweit wir aus unserer individuellen Frosch-Perspektive zum Großen Ganzen hochschauen, und darin eingebettet die Schicksalhaftigkeit unserer Familie und auch unserer Gesellschaft betrachten, erscheint es wohl kaum möglich, sich ein klares umfassendes Bild vom Sinn unseres Lebens zu machen. Da sind wir in viel Größeres eingewoben. Also müssen wir uns zunächst einmal mit dem kleinen Ausschnitt begnügen, den wir erstens hier auf der materiell-irdischen Ebene selbst erleben, und den wir uns zweitens geistig auf der spirituellen Ebene erschließen können, etwa durch religiöse Gläubigkeit oder mythische Vorstellungen.

Dann könnte zunächst einmal folgende Vorstellung vom Leben entstehen: Unser spiritueller Anteil kommt als Seele aus dem transzendenten Dasein in die irdische Existenz und bringt ihre Potentiale und ihre Päckchen bereits mit. Hier verschmilzt sie dann zu dem materiellen und spirituellen Wesen, das ich bin. Dementsprechend stellen sich dem Menschen dann zwei "Lebensaufgaben", wie der Volksmund sagt; oder besser, aus der Sicht des einzelnen Individuums, zwei große Lebens-Projekte: auf der materiellen Ebene sorgt der Mensch für seine irdische Existenz mit Beruf, Familie und Kindererziehung, so dass der Fluss des Lebens hier weitergeht. Und auf der spirituellen Ebene ist er mehr oder weniger lebenslang unterwegs, seine innere Zufriedenheit und Erfüllung zu finden. Das heißt: mit seinen Päckchen, mit sich selbst und mit seiner Umwelt in Frieden zu kommen.

So hat letztlich jeder Mensch zu Beginn seines Lebens an seinen Päckchen zu "knabbern". Und in dem Maße, wie er seine Päckchen einer Lösung zuführt, kann das spirituelle Lebensprojekt gelingen, zunehmend mehr zu sich Selbst zu finden. Gemäß der alten Weisheit:
Gott oder das Große Ganze
gebe mir den Mut,
Dinge zu verändern, die änderbar sind,
und die Kraft,
Dinge zu tragen, die unabänderlich sind,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.
 


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